Social Media: „der neue Aggregatzustand der Medien“

13. November 2014
Manche meinen, ohne Social Media gehe gar nix mehr, andere wiederum behaupten zu sehen, wie sich das Ende von Facebook bereits deutlich am Horizont abzeichnet. Heinz Wittenbrink, Experte für Content Strategie, sieht in Social Media den „neuen Aggregatzustand der Medien“.

Wahlloses Veröffentlichen war gestern. Heute müssen sich alle, die Content an den Mann und an die Frau bringen wollen, sehr gut überlegen, wo was gepostet, gedruckt, ausgemailt und in die Welt posaunt werden soll. Wer sich auch nur am Rande mit den Themen Corporate Publishing, Content Marketing, Social Media etc. beschäftigt hat, dem wird klar, dass hier ohne die Hand von Profis nichts mehr geht. Da die Medienlandschaft schier unübersichtlich geworden ist, sollte man sich nicht nur mit den verschiedensten On- und Offline-Medien auskennen, sondern auch noch alle Klaviaturen jener beherrschen, je nach Zielgruppe die richtigen Töne anschlagen – und das immer im richtigen Takt!
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Jetzt mögen viele Unternehmen längst daran gewöhnt sein, wie eine PR-Einschaltung in einer Tageszeitung aussehen kann und für Bezirksblätter textet man schon mal selbst einen kleinen Nachbericht zum hauseigenen Benefizabend. Aber Social Media, da, wo die Kinder und Enkel mit Freundinnen und Freunden chatten, das soll für eine Firma wirklich relevant sein? Sind hier nicht nur Firmen vertreten, die sich keine eigene Homepage leisten können?

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„Es ist sträflich, Social Media nicht zu nutzen!“

Um gleich ein mögliches Missverständnis aus dem Weg zu räumen: Die eigene Homepage kann unmöglich durch Facebook ersetzt werden – ein Faktum, auf das wir in Die Facebook-Falle bereits vor einiger Zeit hingewiesen haben. Heinz Wittenbrink, Leiter des neuen Studiengangs Content Strategie an der FH Joanneum Graz, und dort auch seit 2004 Lehrender für soziale Medien, setzt das voraus: „Nur auf der eigenen Homepage habe ich Kontrolle über die Inhalte.“ Aber Social Media sind ein wichtiges Plus, weshalb er überzeugt ist: „Im Grunde ist es sträflich, sie nicht zu nutzen!“
Er bezeichnet Social Media als „das effizienteste Mittel“, das man zur Verfügung hat. „Man hat nirgendwo so viel Beziehung zum Kunden“, erläutert er seine Behauptung. Wittenbrink, der selbst die Nachrichten selektiv aus bewusst gewählten seriösen Quellen via Social Media verfolgt und keine Print-Tageszeitung mehr am Frühstückstisch liest, rät Firmen dazu, konkrete Ziele zu definieren. Wen spreche ich an? Sind meine Kundinnen und Kunden auf Facebook „zu Hause“? Oder doch eher auf Twitter oder handelt es sich um B2B-Kommunikation oder um den Bereich der Human Ressources, der besser auf Xing platziert ist?

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„Der User muss aktiv werden“, rät Heinz Wittenbrink dringend zur Interaktion. Gewinnspiele sind schön und daher gern besucht, aber man wird nicht umhin kommen, handfeste News bzw. Inhalte zu posten. Hier ein Blick hinter die Kulissen, da einer in den Brauereikessel – wie zum Beispiel bei der Salzburger Brauerei Stiegl. Hier werkt, wie wir bereits an anderer Stelle vermerkt haben, ein echter Profi am Social-Media Hebel und lässt schon mal Kundinnen und Kunden an den virtuellen Kessel, um Geschmacksvorlieben ans Licht zu bringen. „Die Inhalte müssen auch geshared werden“, macht Wittenbrink aufmerksam – so findet das Unternehmen viel mehr Verbreitung. Und was teilt man gerne mit Freundinnen, Freunden und Follower? Natürlich nur Schönes, Relevantes, Lustiges, Interessantes, Außerordentliches oder ausgesprochen Unerhörtes.

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Die neue Community im Web geht also mit viel mehr Zielgerichtetheit auf die User los – und aus diesen sehr gut vordefinierten Sites kann jede/r das liken, was sie oder er wirklich wissen will. Die eigene kluge Auswahl nicht nur an Freundinnen und Freunden, sondern auch Likes und Follows macht Social Media zu sinnvollen Plattformen fürs Publikum – und daher natürlich auch für Unternehmen. Heinz Wittenbrinks logischer (Ab-)Schluss zum Thema: „Ich persönlich bin der Meinung, dass Social Media der neue Aggregatzustand der Medien ist.“

CLAUDIA RIEF-TAUCHER

Mag. Heinz Wittenbrink ist seit 2004 Lehrender für Online-Journalismus und soziale Medien an der FH Joanneum Graz und hat 2014 die Leitung des neuen berufsbegleitenden Master-Studiengangs Content-Strategie übernommen.

Studiengang Content-Strategie

Blog Heinz Wittenbrink

Fotomontage: Fresh Content // FH Joanneum/Stefan Leitner / ova/Fotolia

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Ein Kommentar zu "Social Media: „der neue Aggregatzustand der Medien“&"

  1. Aggregatzustand trifft es ganz gut! Allerdings fällt mir in der Einleitung schon ein Mißverständnis auf, das viele haben. Socialmedia ist nicht Facebook, aber Facebook ist Socialmedia. Generell gilt es die sozialen Netzwerke nicht als einzige Socialmedia-Kanäle zu betrachten. Daher sehe ich viel Sinn darin, vom Socialmedia-Hype zur Ernsthaftigkeit des Socialweb zu kommen.

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