Personality Magazine – Print-Rettung oder Werbekatalog?

12. Februar 2019
Personality Magazine sind stark im Kommmen. Wir zeigen die Vorteile des Formats und die Schattenseiten, die es noch zu überwinden gilt.

Bis vor Kurzem waren Personality Magazine noch ein weitgehend US-amerikanisches Phänomen. Doch nicht nur Mega-Star Oprah präsentiert mit „O – The Oprah Magazine“ die persönliche Seite ihrer Marke. Inzwischen tun es ihr auch auf dieser Seite des Atlantiks immer mehr Promis gleich.

In Deutschland erlebt das Personality Magazin gerade einen richtigen Boom. Der Hamburger Verleger Gruner + Jahr positioniert sich mit Publikationen für Fußballer Jérome Boateng, Designer Guido Maria Kretschmer, Entertainer Joko Winterscheid und Moderatorin Barbara Schöneberger besonders stark im aufstrebenden Markt.

Aber auch bei anderen Verlegern schießen neue Personality Magazine für Stars wie Promi-Koch Johann Lafer aus dem Boden. Die Aufbruchstimmung dringt auch bis zur zweiten Liga durch und auch Daniela Katzenberger bekommt ihr eigenes Personality Magazin verpasst.

Print-Wiedergeburt?

Erleben wir gerade eine Wiedergeburt von Print? Klar ist, Print steht für Qualität – trotz oder vielleicht gerade wegen des Überangebots an digitalem Content. Die Magazine setzen die Besonderheiten des gedruckten Wortes gekonnt in Szene. Hier herrschen keine Algorithmen, sondern redaktioneller Sachverstand. Die resultierenden Inhalte sind eigens für die Zielgruppe kuratiert und aufbereitet.

Das Format zwingt auch zu Sorgfalt bei der Erstellung, denn gedruckt ist gedruckt. Wo kein Nachbessern möglich ist, sind die Standards eben höher. Traditionelle Verlagshäuser wissen um diese Stärken und einigen gelingt es auch, sie für ein modernes Publikum umzusetzen. Der Burda Verlag zum Beispiel, der das Magazin von Moderatorin Birgit Schrowange herausgibt, kann mit seiner langjährigen Erfahrung im Lifestyle-Magazin-Bereich auftrumpfen.

Der gegenwärtige Erfolg des Formats macht den großen Hunger nach qualitätsvollen Print-Produkten mit starkem Charakter sichtbar. Dem gegenüber steht das Bedürfnis von Marken, auf einer persönlich-emotionalen Ebene mit ihren Zielgruppen zu kommunizieren. In Personality-Magazinen treffen sich diese beiden Seiten perfekt. Sie erlauben es einer Marke, die Glaubwürdigkeit und Charaktereigenschaften des Promis anzunehmen. Die Leserschaft bekommt gute Magazine. Und die Promis profitieren auch, etablieren sie sich durch das Magazin schließlich als Experten im gewählten Gebiet.

Zufriedene Marken, zufriedene Promis, zufriedene Leserschaft. Sind Personality-Magazine also eine Win-win-win-Si­tu­a­ti­on?

Die Werbe-Falle

Doch nicht alles ist rosig. Viele Stars sind nicht nur Magazin-Herausgeber, sondern auch Unternehmerinnen und Unternehmer. In manchen Personality-Magazinen stellen sie ihre Produkte dann auf redaktionellen Seiten vor. Das ist nach Pressegesetz klar verboten, redaktionelle und bezahlte Inhalte sind strikt zu trennen. Gar nicht so einfach, wenn Hersteller der im Magazin präsentierten Produkte direkt in der Redaktion sitzen.

Laut sueddeutsche.de, „sind Schöneberger, Winterscheidt und Kretschmer Teil des Redaktionsteams, nehmen regelmäßig an Konferenzen teil, schreiben, führen Interviews, bringen Themen ein, übernehmen also redaktionelle Aufgaben.“ Ein enormer Interessenskonflikt.

Teilweise wird seitens der Verlage argumentiert, dass die Produkte der Promis Nachrichtenwert hätten, gerade weil sie eben mit dem Promi verknüpft sind. Und an diesem sind Leserinnen und Leser schließlich interessiert. Aha. Gleich kreativ heißt es anderswo, dass, wenn ein Promi über lange Zeit hinweg portraitiert wird, früher oder später eben auch die unternehmerische Tätigkeit angesprochen wird. Klingt plausibel, aber sueddeutsche.de fand frappierende Häufungen von Promi-lizenzierten Produkten .

Fazit

Das Format der Personality-Magazine ist höchst effektiv. Es verbindet das Beste von Print mit person-gewordenen Marken, die authentisch mit ihrer Zielgruppe sprechen. Marketing-Herz, was willst du mehr?

Bevor das Format seinen Siegeszug antreten kann, muss aber reinen Tisch gemacht werden. Schleichwerbung und Co. sind nicht nur verboten, sie werden auch bald die Leserschaft vergraulen. Die ist nämlich nicht blöd und rebelliert, wenn sich das Lifestyle-Magazin als Werbekatalog entpuppt. Alle Marken lechzen nach Authentizität. Leider ist das Verhalten, das Personality-Magazine allgemein bis jetzt an den Tag legen, gar nicht authentisch.

 

Beitragsbild: Pixabay/Wokandapix

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