Echtheit vor dem Deal? Das Dilemma der Lifestyle-Blogger

28. Juni 2016
Eine Podiumsdiskussion auf dem Fifteen-Seconds-Festival brachte die krasse Grätsche vieler Blogger auf die Bühne: Authentizität versus Finanzierbarkeit.

Sie sind bestens bekannt und vor allem in der Generation der Digital Natives wahre Heldinnen und Helden: die Lifestyle-Blogger. Junge Mädchen und Frauen shoppen sich die Füße wund für ihre Fans und Follower, damit sie ihnen die neuesten Styles auf dem Kleidungs- und Kosmetik-Sektor in ihren Blogs in mehr oder weniger aufwendigen Videos (Vlogs), Texten und möglichst vielen Bildern nahebringen können. Ob sie nun Bibi aus Köln oder DariaDaria aus Wien heißen, bei allen begann das Bloggen wohl aus einem Hobby heraus. Nahezu alle jungen Leute interessieren sich für die Optimierung des Äußeren, aber nur wenige sind kreativ genug, mit Stilgefühl und aus dieser Begeisterung heraus, selbst etwas zu erschaffen, das andere sehen, hören und lesen wollen. Bianca Heinicke aka Bibi hat das mit Sicherheit geschafft und daraus nicht nur für sich selbst, sondern auch ihren Lebensgefährten Julian eine sichere Einkommensquelle geschaffen. Beide bringen mittlerweile seit Jahren viel Humor, eine sympathische Ausstrahlung und eine kreative Ader mit, die in einer Menge an Sketches und Szenen für gute Unterhaltung sorgen – kein Wunder also, dass BibisBeautyPalace millionenfach aufgerufen wird und die beiden nicht nur „auf Tour“ gehen, um Autogrammkarten zu bekritzeln, sondern sogar von größeren Reisen ihre Storys mitbringen können (es sei ihnen hiermit ausdrücklich vergönnt).

 

 

Wer so viel „Bonusmaterial“ mitbringt, dem verzeihen auch eingeschworene Fans, dass sie nicht nur Produkte testen, die sie persönlich lieben und schätzen, sondern eventuell auch solche, die sie ganz einfach „nur“ gesponsert bekommen. Das Wort „Produktplatzierung“ mag Pflicht im Fernsehen sein, in Vlogs oder Blogs „warnt“ niemand vor einer möglicherweise „offen versteckten“ Werbung.

„Bloggen verkörpert eine Art von Freundschaft“

Wie läuft das nun mit Sponsoring, Werbung, Produktplatzierung und dem Selbstverständnis von Bloggern, die irgendwann einmal damit begannen, hauptsächlich ihren Freundinnen und Freunden Geheimtipps zu verklickern? Bei einer Podiumsdiskussion auf dem Fifteen-Seconds-Festival (wir berichteten in unserem Blog) kam das Dilemma auf die Bühne, auf der unter anderen Madeleine Alizadeh als DariaDaria-Bloggerin Platz genommen hatte als auch die beiden jungen Damen Vicki Heiler und Katharina Schmalzl von TheDailyDose sowie Marion Vicenta Payr, besser bekannt als Instagram-Reisebloggerin LadyVenom.

Die Frage, wer von beiden Seiten profitiert – Influencer oder Brand – war schnell geklärt: natürlich beide. Das größte Dilemma servierte Alizadeh sehr rasch: „Meine Generation sehnt sich das Echtheit.“ Authentizität sollte das wichtigste Wort an diesem Abend bleiben, werden doch gerade die Digital Natives permanent mit Fakes abgespeist: nachbearbeitete Videos und Fotos, bezahlte Inhalte, bezahlte Blogs! Wer sagt wirklich noch, was er sich denkt, was er wirklich von sich aus empfehlen kann, wer ist Freund/in in der großen weiten Internet-Welt, in der mehrere Generationen nach praktikablen, unabhängigen Tipps fürs (Über-)Leben suchen? Schwer zu sagen. Einig ist man sich, dass Bloggen „eine Art von Freundschaft“ verkörpert. Die Fans und Follower kommen immer wieder, schauen, wie es geht, was man so zu sagen hat. Vertrauen und Vertrautheit werden aufgebaut – ein verletzbares Gerüst, das in sich zusammenstürzt, sobald die Echtheit flöten geht. „Man muss Kompromisse machen“, sind sich die beiden von TheDailyDose einig und fügen gleich hinzu, dass sie aber nur Marken zeigen, die sie selbst auch kaufen würden.

 

 

Echtheit vor dem Deal

Für einen guten Traffic macht DariaDaria angeblich Abstriche: „Ich verdiene nicht mehr so gut, weil mir der Traffic wichtiger ist.“ Und der würde ganz sicher leiden, wenn sie sich bzw. ihre Inhalte zu offensichtlich verkauft, der Content nicht mehr authentisch rüberkommt. Das Wichtigste am Blog bleibt die Persönlichkeit, die ihn betreibt: „Ich selbst sein und Persönlichkeit zeigen“ stellt Kathi von TheDailyDose an erste Stelle und DariaDaria, die sich im Blog sehr für nachhaltigen Lebensstil einsetzt, sieht die Message als einen der wichtigsten Erfolgsfaktoren. „Die Influencer müssen Content professionell produzieren“, ist LadyVenom Marion fest überzeugt. Sie hält Blogs für ein früher oder später aussterbendes Modell und schätzt es, permanent dazuzulernen und professioneller zu werden. Schließlich soll es auch eine berufliche Tätigkeit nach dem Bloggen geben.
Als Geschäftsfrauen sind alle Damen bestens aufgestellt: Ein eigenes Management nimmt ihnen viel Arbeit ab, Kooperationspartner sorgen für das nötige „Kleingeld“. Wer es unter diesen Umständen schafft, echt, freundschaftlich und unabhängig auf die Follower und Fans zu wirken, hat sich wahrscheinlich ein Ein- und Auskommen verdient.

CLAUDIA RIEF-TAUCHER

Beitragsbild: DariaDaria

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