Barrierefrei: Guter Content ist für alle lesbar

07. April 2015
Das Internet ist fixer Bestandteil unseres Lebens: Wir informieren uns, bestellen, erledigen Bankgeschäfte und kommunizieren mit anderen online. Für manche Menschen ist das Arbeiten oder Surfen im Web aber eine große Herausforderung: Barrierefreie Webseiten, die ab 1. Jänner 2016 gesetzlich vorgeschrieben sind, Ermöglichen Personen mit Behinderungen oder älteren Menschen die Internetnutzung in vollem Umfang, bringen aber auch Unternehmen Vorteile.

Was bedeutet barrierefrei?

Ganz allgemein gesagt, ist eine Barriere eine Schranke, die einen Weg versperrt. Eine Barriere im Internet erschwert den Zugang zu Informationen auf einer Webseite oder macht es völlig unmöglich die Seite zu nutzen. Menschen mit Einschränkungen erleiden damit einen Nachteil – zum Beispiel könnten blinde oder sehbehinderte Menschen nichts über ein besonders günstiges Angebot auf einer Internet-Seite erfahren. Und zwar vielleicht nur deswegen, weil ein schlechter Farbkontrast das Lesen unmöglich macht oder weil dynamische Menüs oder flash-Elemente ohne Mouse nicht bedienbar sind.
Barrierefreiheit bezeichnet im deutschen Sprachgebrauch eine Gestaltung (…) von Information und Kommunikation in der Weise, dass sie von Menschen mit Behinderung und von älteren Menschen in derselben Weise genutzt werden kann wie von Menschen ohne Behinderung.“(vgl. Wikipedia Eintrag zu Barrierefreiheit).

Menschen mit Behinderungen nutzen das Internet häufiger als Nichtbehinderte. Es eröffnet neue Möglichkeiten soziale Kontakte zu pflegen, zu arbeiten oder die Freizeit zu gestalten. Die Gleichstellung behinderter Menschen ist in Österreich gesetzlich festgeschrieben. Seit 2008 müssen behördliche Webseiten für alle Menschen barrierefrei zugänglich sein. So stehen auf den Seiten des Bundesministeriums für Finanzen beispielsweise Inhalte in Gebärdensprache zur Verfügung, auf den Seiten des österreichischen Blinden-und Sehbehindertenverbandes und der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs sind selbstverständlich Farbkontrast, Textgröße und Seitenbreite einstellbar.

Ab 1. Jänner 2016 endet die Übergangsfrist und das Gesetz über die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen gilt für alle Unternehmen in Österreich. Das bedeutet, dass ab diesem Datum alle Waren, Dienstleistungen und Informationen, die für die Öffentlichkeit bestimmt sind, barrierefrei angeboten werden müssen.

Was sind Barrieren im Internet?

Stellen Sie sich vor, Sie hätten eine Armverletzung und könnten die Mouse plötzlich nicht mehr bedienen oder Sie hätten in einer Fremdsprache nur Grundkenntnisse und versuchten auf einer Website eine technische Anleitung in dieser Sprache zu lesen: Sie würden rasch merken, wie schwierig es ist, an die gewünschten Informationen zu kommen.
Menschen können durch inhaltliche oder technische Barrieren am Benutzen und Lesen von Webseiten gehindert werden.
Inhaltliche Barrieren entstehen durch Texte mit schwierigen Formulierungen oder mit vielen Fremdwörtern. Personen mit kognitiven Schwächen oder Lernbehinderungen fällt es leichter, Texte mit kurzen Sätzen in einer klaren und gut verständliche Sprache zu lesen und zu verstehen. Ein komplizierter Satzbau kann auch für Menschen mit Migrationshintergrund zum Hindernis werden. Das Bundessozialamt bietet deswegen auf seinen Webseiten eine „Leichter-Lesen“-Version für komplexere Texte an.

Die technische Seite der Barrierefreiheit betrifft das, was man im Wesentlichen unter dem Begriff Benutzerfreundlichkeit, also Usability, einreihen könnte. Menschen mit Sehbehinderungen, Farbenblinde aber auch ältere Leute können Texte mit kleiner Schrift oder schlechten Farbkontrasten schlecht bis gar nicht lesen. Hörgeschädigte kommen nicht zu wichtigen Informationen, wenn diese nur über akustische Elemente abrufbar sind. Viele User können keine Mouse benutzen – alle Elemente einer Seite, die sich nicht über die Tastatur oder über Sprache steuern lassen, werden somit zur Barriere.

Wie kann man Barrieren abbauen?

Es sind nicht unbedingt große und kostspielige Aktionen, schon kleine Änderungen und das Wissen, was zur Barriere werden kann, können den Zugang wesentlich erleichtern. Eine barrierefreie Internet-Seite kostet in der Erstellung kaum mehr als eine herkömmliche Seite – vorausgesetzt man plant von Anfang an richtig. Auch der Vorwurf, dass barrierefrei gleich hässlich ist, stimmt heute nicht mehr: Es macht optisch keinen Unterschied mehr, ob barrierefrei gearbeitet wurde oder nicht.

Was macht eine Seite unter anderem barrierefrei? (Auflistung beinhaltet nicht alle, aber wesentliche Punkte)

  • Eine klare und übersichtliche Navigation erleichtert die Lesbarkeit. Inhalt, Funktion und Layout sollen klar getrennt sein. Wenn sich also blinde Menschen mittels Screenreader den Inhalt vorlesen lassen, hören Sie nur den wichtigen Inhalt und nicht störende Informationen zu Farbschemata, Tabelleneigenschaften oder Ähnlichem.
  • Einzelne Kapitel sollten durch Überschriften gekennzeichnet sein, Überschriften nach bestimmten Regeln (XHTML, CSS) formatiert sein.
  • Verwendung von ausreichend großer Schrift bzw. der Möglichkeit Schriftgröße und Kontrast zu ändern
  • Vermeiden von Rot auf Grün, damit auch farbenblinde Menschen rote Buttons eindeutig identifizieren können.
  • Alle relevanten Fotos sind mit beschreibenden Alternativtexten versehen, damit auch Blinde oder Sehbehinderte wissen, was auf den Bildern abgebildet ist.
  • Leicht verständliche Sprache statt komplizierter, langer Texte
  • Navigation und Inhalte sind mit der Tastatur bedienbar und nicht nur mit der Mouse steuerbar.

Warum profitieren auch Unternehmen von der Barrierefreiheit?

  • Die Inhalte barrierefreier Webseiten werden von Suchmachinen besser und schneller gefunden. Warum? Weil Suchmaschinen auch blind sind! Google und Co können ähnlich wie Sreenreader (Vorlese-Anwendung für Sehbehinderte) Seiten mit schlankem HTML-Code einfacher und schneller erkennen und entsprechend weiter vorne werden diese auch gereiht.
  • Der Inhalt barriererfreier Webseiten lässt sich wesentlich einfacher und problemloser auf anderen Geräten – beispielsweise auf Handys oder Tablets – darstellen.
  • Seiten mit einem schlanken HTML-Code haben wesentlich kürzere Ladezeiten.
  • Die Navigation ist viel benutzerfreundlicher.
  • Mit einer barrierefreien Seite stärken Sie das positive Image Ihres Unternehmens: Sie transportieren damit auch Ihr soziales Engagement!

Fazit: Barrierefreie Internetseiten sind von Haus aus quasi schon suchmaschinenoptimiert und haben eine hohe Usability. Natürlich kann nicht jede Firma alle Punkte, die eine Webseite barrierefrei machen, auch umsetzen, wichtig ist aber, das Bewusstsein zu schärfen und sich Gedanken zu machen, was man tun kann, um Menschen zu erreichen!

BIRGIT DERLER-KLEIN

Mit freundlicher Unterstützung von Sascha Maringer (Wirtschaftskammer Wien) und Mag. Klaus Höckner (Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs) verweisen wir auf folgende weiterführende Links zur Barrierefreiheit und zur Umsetzung des Gleichstellungsgesetzes Anfang 2016 in Österreich:

Richtlinien für barrierefreie Webinhalte (WCAG 2.0)

Geförderte Beratung zu barrierefreien Webinhalten  

Grundlegende Informationen zu barrierefreien Webseiten

Servicestellen des Bundessozialamts

Webbie (Browser für Blinde und sehbehinderte Menschen)

 

Foto: stockWERK/Fotolia

 

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