„Die Visualisierung der Welt nimmt rasant zu“

15. September 2014

Heinz M. Fischer

 

Heinz M. Fischer über Medienkompetenz, Content-Strategy, Public Communication und zukünftige Entwicklungen in der digitalen Kommunikation.

 

 

Stichwort Content Strategy – wer ist da vorne dabei in der Steiermark bzw. in Österreich?

Heinz M. Fischer: Content-Strategie ist eine noch junge Disziplin, die in unseren Breiten erst im Kommen ist. Einige Unternehmen und Gemeinden sind Vorreiter, österreichweit im Industriebereich etwa die VOEST oder in der Steiermark die Stadtgemeinde Leoben.

 

Wie medienkompetent empfinden Sie unsere Gesellschaft?

Fischer: Viele sind im digitalen Zeitalter noch nicht angekommen, da gehen gewaltige Risse durch unsere Gesellschaft. In vielerlei Hinsicht laufen uns junge Menschen in der digitalen Kommunikation davon. Aber das ist ja nur eine Facette von Medienkompetenz, wenn auch eine sehr wichtige.

 

Warum hinken so viele Unternehmen hinterher?

Fischer: Weil sie die Bedeutung von Kommunikation noch immer nicht erkannt haben. Und: Weil sie nicht wahrhaben wollen, wie ressourcenaufwändig effiziente und zielführende Kommunikation ist.

 

„Das Bild ist das neue Wort“, postulierte ein deutscher Kommunikationswissenschafter neulich – Sehen Sie das auch so?

Fischer: Das Wort wird natürlich immer bleiben, aber es ist schon beachtlich, in welcher Rasanz die Visualisierung der Welt zunimmt. Gute Texte haben es immer schwerer, nicht von Bildern erdrückt zu werden.

 

Der neue FH-Lehrgang Public Communication geht davon aus, dass PR in Zukunft ganz anders funktionieren wird als bisher …

Fischer: Presse- und Öffentlichkeitarbeit war einmal. Dieser Begriff hatte ohnedies lange Bestand. Jetzt hat er ausgedient. Die Zukunft gehört Public Communication, einem punktgenauen Mix aus Online- UND Offline-Kommunikation, aus visuellen und textuellen Kompetenzen, aus Inhalten und Strategie, Repräsentanz und Personality, spezifischer Zielgruppenansprache und breit gefächerter Information. Die EINE Öffentlichkeit gibt es nicht mehr. Viele Öffentlichkeiten adäquat und effizient zu bedienen, darin wird die große Leistung von Public Communication bestehen.

 

Auch im Journalismus tut sich viel Neues – mit welchen Kompetenzen sollten Journalistinnen und Journalisten zukünftig ausgestattet sein?

Fischer: Technische Kompetenzen werden stark ausgeprägt sein müssen, etliche Tugenden bleiben aber unverändert, und werden es schwer haben, weiter zu bestehen: Verantwortung gegenüber den Öffentlichkeiten, souveräner Umgang mit Sprache, die Frage visueller Zumutungen und das Erkennen, was die Qualität von Themen wirklich ausmacht. Wollen wir tatsächlich permanent mit atemlosen Stories zugedröhnt werden?

 

FH-Prof. Mag. Dr. Heinz M. Fischer ist Leiter des Instituts für Journalismus & PR und Vorsitzender des Departments für Medien & Design an der FH JOANNEUM in Graz. Zuvor war er in leitenden Funktionen im Forschungs- und Kulturmanagement des Landes Steiermark, im Pressereferat der Steiermärkischen Landesregierung sowie als Journalist bei der Austria Presse Agentur (APA) tätig gewesen.

 

DANIELA GRUNDNER-GROSS

 

Fotos: muratart/Shutterstock, FH Joanneum

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