Überraschungspakete mit Schleifchen: QR und NFC

17. November 2015
Wer mit seinem Smartphone noch immer nicht gescannt hat, wird wohl künftig an den kleinen Quadraten nicht mehr vorbeikommen. Denn QR-Codes und NFC sind wie Überraschungspakete – voll mit nützlichen Infos, Spielereien und was auch immer Sie wollen – und außerdem bestens für Cross-Selling und Crossmedia geeignet. PLUS: Wie Sie schöne QR-Codes selbst herstellen können.

Wie Smartphones Einzug in unseren Alltag halten, ist offensichtlich: Wir kommunizieren den ganzen Tag über mündlich und schriftlich miteinander, verkürzen Wartezeiten mit mobilen Spielen und Rätseln, lesen Nachrichten in der Straßenbahn, schauen Videos auf der Couch, bearbeiten unsere Mailbox im Urlaub (auch das soll vorkommen), suchen unbekannte Begriffe im Internet, wenn wir nicht weiterwissen, protokollieren unsere Laufrunden, erstellen Preisvergleiche, kaufen ein und, und, und. Mittlerweile besitzen laut Mobile Communications Report 2015 (Mobile Marketing Association) von allen Mobiltelefonnutzer/innen in Österreich bereits 86 Prozent ein Smartphone, Tendenz nach wie vor steigend (2014 waren es 82 Prozent, 2013 78 Prozent). Der wesentliche Unterschied zu den vorigen Jahren beziehungsweise Reports:

„Die meisten mobilen Internet-Nutzer stammen nicht mehr aus der Generation der Digital Natives. Somit hat sich das mobile Internet in der breiten Bevölkerung durchgesetzt.“

Das schlussfolgert Up To Eleven aus den zahlreichen Ergebnissen der Umfrage. Eine weitere – für manche vielleicht überraschende – Erkenntnis aus dem Report ist die Lieblingsbeschäftigung der mobilen Nutzer: Shopping! 38,6 Prozent der Österreicher/innen kaufen über das Handy Bekleidung und Schuhe, 33 Prozent erstehen elektronische Geräte, 28 Prozent ordern Bücher. Dass sich hier das Handy als Marketing-Werkzeug geradezu aufdrängt, liegt wohl: auf der Hand!

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OpenClipartVectors/Pixabay

Zauberkästchen öffne dich

Die Folgen dieser Entwicklung sind mannigfaltig: (Fast) Jede/r hat nun das Smartphone permanent griffbereit, Anwendungen, die nur mit Smartphone funktionieren, gewinnen an Beachtung. Vieles spricht meiner Meinung nach dafür, dass eine davon das bei uns bisher wenig beachtete 2-D-Kästchen ist: der QR-Code. Der Quick Response Code wird mithilfe einer gratis am Smartphone zu installierenden App gescannt und sofort öffnet sich eine Webpage. Damit ist erst mal für die Nutzer/innen ein wesentliches Ärgernis Geschichte: Niemand muss mehr mühsam eine URL oder ein Stichwort über die Handytastatur in den Browser bzw. die Suchmaschine eingeben.

Diese Möglichkeit besteht immer und überall: Die QR-Codes werden demnach auch sehr unterschiedlich eingesetzt: Auf Zeitungs- und Magazinseiten, auf Plakaten (sinnbefreit, falls nur Autos daran vorbeifahren), auf Produkten des täglichen Lebens, auf Visitenkarten, im Supermarkt, an Sehenswürdigkeiten, auf Bahntickets und vielem mehr. Überall, wo es nützlich oder sogar notwendig ist, auf der Stelle mehr Informationen zu bekommen oder auch, wo unser Spieltrieb zur Unterhaltung angeregt werden soll, liegen die Einsatzgebiete des QR-Codes. Dass er bei uns bislang wenig beachtet wurde, liegt mit Sicherheit daran, dass erstens sein Nutzen zu wenig kommuniziert wurde, denn: Jede Möbelbau-Anleitung könnte via QR-Code am Handy abrufbar sein, jede Gebrauchsanweisung – übersichtlich für Mobile gestaltet – könnte ein dickes, zehnsprachiges Buch ersetzen! Zweitens liegt unsere QR-Code-Blindheit wohl auch am unkreativen Einsatz. In den USA und in Asien, wo QR-Codes absolut etabliert sind, finden wir auch die herausragendsten Beispiele.

Diese großartige Marketing-Idee aus Korea, bei der aus dem 2-D- ein 3-D-„Kunstwerk“ wird, will ich Ihnen nicht vorenthalten: Hier wird der QR-Code als Sonnenuhr eingesetzt, um das stagnierende Mittagsgeschäft anzukurbeln:

Bello und die Kaffeemaschine – gechippt

NFC-N-Mark-Logo

www.nfc-forum.org

Eine weitere technische Möglichkeit, um für Nutzer/innen bzw. Kundinnen und Kunden zu den gleichen Resultaten zu kommen, will das Versandhaus OTTO an den Start schicken: Ein NFC-Button soll künftig an Kaffeemaschinen, auf der elektrischen Zahnbürste oder auch am Staubsauger kleben. NFC oder Near Field Communication erfüllt denselben Zweck und liefert – zum Beispiel mit dem Smartphone ausgelesen – Zusatzinformationen. Dahinter steht aber eine andere technische Lösung, nämlich RFID (radio-frequency identification), die via Funk Daten überträgt. Das kennen wir zum Beispiel von unserem gechippten Bello oder von der Kartenbezahlung im Supermarkt, wenn Sie nur die Karte an das Lesegerät halten. Zurück zum Versandhaus: Wer kein NFC-fähiges Smartphone besitzt, findet auch eine URL, die dann zum Erklärvideo, zur Gebrauchsanweisung oder auch zu passenden Zusatzartikeln führt. Denn hier steckt eine Menge Potenzial, nicht nur, was Kundenzufriedenheit und Kundenbindung betrifft, sondern selbstverständlich auch für Cross-Selling!

Schleifchen auf dem Paket: So sollten QR und NFC genutzt werden

  • Mehrwert – im Code sollte IMMER ein Mehrwert stecken.
  • Was kann das sein? Dieser Mehrwert kann mehr Information auf anderer Ebene bedeuten, eine für die Benützung eines Produkts notwendige Gebrauchsanweisung und mehr. Zum Beispiel im Crossmedia-Einsatz: Ein Printmagazin leitet mit QR-Code auf ein Musikvideo, auf ein Online-Gewinnspiel, wo die Teilnahme mit einem Klick erfolgen kann. Cross-Selling-Einsatz: QR-Codes oder NFC verweisen auf Zusatzgeräte, die ein Produkt erweitern.
  • Die mit dem Code aufgerufene Site MUSS für mobile Endgeräte optimiert sein (und selbstverständlich funktionieren!)
  • Den Ort der Anbringung gut überlegen: Auf Plakaten, an denen nur Autos vorbeifahren, sind Codes absolut sinnbefreit.
  • Die Nutzer/innen müssen wissen, was hinter dem Code steckt – oder es ist eindeutig als „Überraschung“ tituliert und soll gezielt unseren Spieltrieb, unsere Neugierde ansprechen.
  • Am Anbringungsort sollte ausreichend Mobilfunknetz vorhanden sein (ist an manchen Orten noch ein Problem)
  • Gefahren? Der Vollständigkeit halber sei für Nutzer/innen erwähnt: Missbrauch ist im öffentlichen Raum nicht auszuschließen: Sie scannen zum Beispiel einen (manipulierten) Code, der auf eine mit einem Trojaner „geschmückte“ Seite führt. Dies sollte man im Hinterkopf behalten und vertrauenswürdige Quellen nutzen. Allerdings wird bei vielen aktuellen Scannern deshalb die Zielseite nur als Vorschau angezeigt, ohne sie sofort auszuführen.

So geht das: QR-Codes selbst herstellen

Genug der Theorie – Sie können QR-Codes einfach und kostenfrei selbst herstellen. Auch die Gestaltung ist mittlerweile ein Thema, denn nicht selten fallen die schwarz-weißen Kästchen eher störend auf. Deshalb können Sie nun ihrer eigenen Kreativität freien Lauf lassen und die QR-Codes sogar mit Bildern hinterlegen:

Create QR-Codes

QR-Codes generieren und mit eigenen Bildern gestalten

 

Dieser Brückenschlag zwischen analoger und digitaler Welt bringt also eine Menge Vorteile für Nutzer/innen und auch Unternehmen. Wer diese Werkzeuge klug, sinnvoll und kreativ einsetzt, gewinnt mehr als nur ein modernes Image.

CLAUDIA RIEF-TAUCHER

 

Beitragsbild-Collage: gpointstudio/Shutterstock//ChorSpiegel/Pixabay


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