Think new! Gedankliche Quantensprünge fürs Web-Business

02. März 2015
Was die Quantenmechanik mit dem digitalen Business gemein hat? Unglaublich viel, schenkt man Christian Hoffmeister und Yorck von Borcke, Autoren des vor Kurzem erschienenen Buches „Think new!“, Glauben.

Denn die komplexen Strukturen samt ihren Wahrscheinlichkeitsräumen, die die digitale Welt kennzeichnen, verlangen nicht nur einen Sidestep von den klassisch linearen Denkmustern, sondern eine komplette Neuorientierung in der Wahrnehmung von Abläufen. Basierend auf dieser Annahme formulieren die Autoren 22 Strategien, die jeder anwenden sollte, der sich auf Business im WWW einlässt und damit erfolgreich sein will. Ob sich über diese Prinzipien allerdings auch User im Klaren sein sollten, sei an dieser Stelle bezweifelt.

Kleine Teilchen mit großer Wirkung

Zum Einstieg in die Lektüre liefern die Autoren daher einen kurzen Exkurs in die Geschichte der Quantenmechanik. Denn „die gesamte digitale Technologie basiert auf einer der bemerkenswertesten Entdeckungen in der Physik: die Natur macht Sprünge“, heißt es erklärend. In der Folge erfährt man u. a., warum sich die kleinsten Teilchen sprunghaft und nicht kausal verhalten, wie aus materiell und immateriell bzw. aus analog digital wird, und was dies alles für die neue Ökonomie bedeutet. Den Prozess der Digitalisierung vergleichen die Autoren mit „Malen nach Zahlen“:  

„Hier geht es nicht darum, dass Menschen die individuelle Fähigkeit besitzen, bestimmte Linien und Striche zu ziehen, sondern die Linien und Striche durch Punkte zu ersetzen, die einen gewissen Abstand zueinander haben. Die Nummerierung stellt dabei die Zeitreihe dar, in der die Punkte miteinander verbunden werden sollten. Damit ist es für jeden möglich, dieses Bild exakt nachzumalen. Aus einer individuellen Fähigkeit wird damit eine einfach reproduzierbare Leistung.“

Salopp formuliert könnte man sagen: Das Ursache-Wirkungs-Prinzip hat ausgedient. Erfolgreich im (Digi-)Business ist, wer die Gesetzmäßigkeiten der neu entstandenen Wahrscheinlichkeitsräume zum eigenen Vorteil nutzt. Informationsökonomie, Transaktionskosten- sowie Spieltheorie seien die dafür prägenden Denkrichtungen, weshalb sich die meisten in diesem Buch dargelegten Prinzipien darauf zurückführen ließen, erläutern die Autoren und postulieren:

Wer die neuen Prinzipien nicht kennt, läuft Gefahr, mit veralteten Mustern des Erfolges in einer neuen Umwelt zu scheitern„.

Von B wie Blockbuster bis S wie Social-Guru

Wie gesagt werden 22 Prinzipien im Buch präsentiert. Jedes hat sein eigenes Kapitel, dessen Aufbau stets derselbe ist: Einer Charakteristik des Prinzips folgen dessen Grundlagen, Anwendungsbereiche sowie konkrete Beispiele aus der Web-Wirtschaft. Den Abschluss bildet immer eine Literaturliste.
Vom Wording her toben sich die Autoren aus, obwohl nicht immer ganz klar ist, was die Leser/innen unter den einzelnen Titel erwartet.
Logisch ist’s etwa beim Blockbuster-Prinzip, in dem die Autoren in Anlehnung an Hollywood erklären, es brauche echte Zugpferde, um die User für das eigene Business zu ködern bzw. entsprechende Algorithmen, um den Trend zu verstärken. Denn auf 20 Prozent der Webseiten kämen 80 Prozent aller Zugriffe.

Auch beim Intransparenz-Prinzip ist der Name Programm. „Durch die Anwendung neuer Technologien ist es in vielen Fällen heute besser denn je möglich, die Intransparenz der Märkte zu erhöhen. Damit wird es für die Kunden immer schwerer, Preis-Leistungs-Modelle miteinander zu vergleichen. Dadurch können Preisvorteile realisiert werden„, so die einleitende Kurzbeschreibung des Ansatzes.

Des Weiteren lässt der Titel Predictive-Prinzip inhaltliche Rückschlüsse zu: Menschen und deren Konsumverhalten im Web genau beobachten, um ihnen dann offerieren zu können, was sie brauchen – oder sie zumindest glauben zu machen, dass dies der Fall ist. Wie dieses Prinizip zum Einsatz kommen kann, zeigen die Autoren anhand des amerikanischen Unternehmens Target, das über Jahrzehnte Kundendaten gesammelt und Einkaufsprofile erstellt hat.

Target analysiert das Einkaufsverhalten seiner Kundinnen und schließt daraus, ob die Kundin schwanger ist oder nicht […]. Dies soll die Werbung effizienter machen und das Einkaufsverhalten zugunsten von Target beeinflussen„, führen die Autoren aus.

Nicht ganz so eindeutig ist der Inhalt des Demembranisierungs-Prinzips, wonach Menschen heute eine höhere Erwartungshaltung an Prozess- und Informationstransparenz hätten und Dienstleitungen, Prozesse und Angebote aufgrund der Erwartungshaltung offen gestaltet werden müssten.

Um zu erfahren, was hinter den Ansätzen des Downgrade-Prinzips, des Outlaw-Prinzips, des Lean-Digital-Prinzips, des Subliminal-Prinzips, des Zahnrad-Prinzips, des Gambling-Prinzips sowie des Demembranisierungs-Prinzips, des Better-Follower-Prinzips, des Functional-Cracking-Prinzips, des Grenzenlos-Prinzips und Social-Guru-Prinzips steckt, sei auf die Lektüre des Buches verwiesen.

Fazit: Ein Buch, das eindeutig unter die Rubrik Fachliteratur fällt und für dessen Verständnis ein gewisses Maß an ökonomischem Fachjargon hilfreich ist. Der klare Aufbau von „Think new!“ macht es zu einem nützliches Nachschlagewerk. Auch der Inhalt wird kompakt präsentiert. Abschnittweise allerdings zu kompakt, da Aspekte wie ethische Fragen im Zusammenhang mit den Prinzipien völlig außer Acht gelassen werden. Man hat sogar teilweise das Gefühl, dass es komplett irrelevant ist, wer sich hinter den Klicks verbirgt. Frei nach dem Motto „Es geht ums Business und Kohle, nicht um Menschen“.
Dieses Buch empfehlen wir daher all jenen, die auf der Suche nach Erfolgsstrategien sind, d. h. sich vom Untertitel konkret angesprochen fühlen. Was auch immer man über das Netz an den User bringen möchte, „Think new!“ liefert hilfreiche Werkzeuge dafür und zeigt auf, wie Amazon, Apple, Facebook und Google diese erfolgreich eingesetzt haben bzw. einsetzen.
Wer es sich gut überlegen sollte, zu dieser Lektüre zu greifen: Potenzielle Kundinnen und Kunden. Denn, ehrlich gesagt, vergeht einem mit jedem gelesenen Satz die Lust auf eine Shoppingtour im Web. Und zwar ordentlich …

ANDREA KREUZER

Foto: Horia Varlan/Flickr 

 

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Buchtipp: “Think new! 22 Erfolgsstrategien im digitalen Business“, Christian Hoffmeister und Yorck von Borcke, Hanser.

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