Sehr gefragt: das Interview

06. Oktober 2014

Frisch gefragt ist halb gewonnen? Ja! Auf eine präzise Frage erhält man selten eine vage Antwort, auf eine relevante kaum je eine nichts sagende. Und da die Qualität der Fragen (was auch heißt: die Qualität der Vorbereitung auf das Interview auf Seiten des Interviewers) in einem Gespräch bereits die halbe Miete ist, ist das Interview eine nachgefragte journalistische Darstellungsform. Auch und gerade im Corporate Business/Content Marketing.

Gut Ding braucht Vorbereitung.

Ein gutes Interview macht Arbeit, viel Arbeit sogar. Dafür lohnt sich diese Arbeit für den, der an sein Gegenüber, dessen originelle Gedanken, dessen spezifische Erfahrung, dessen fundiertes Wissen oder auch einfach dessen inspirierende Persönlichkeit herankommen will, aber auch fast ausnahmslos. Wer sich auf seinen Gesprächspartner bzw. seine Gesprächspartnerin vorbereitet, holt mehr aus ihm/ihr heraus. Und dieses Mehr ist das Frische am Inhalt, das Gehaltvolle, das wir mit Fresh Content meinen.

Ein Austausch auf Augenhöhe.

Wenn eine Person Ja zu einem Gespräch sagt, sieht sie darin meist auch für sich und ihre eigenen Anliegen einen Nutzen. Auf diesen auf Austausch und die gleiche Augenhöhe beruhenden Charakter der Interviews weist auch schon der Wortstamm hin, der lateinischer bzw. französischer Herkunft ist. Entrevue bzw. S’entrevoir bedeutet so viel wie „vereinbarte Zusammenkunft“ oder, frei übersetzt, „sich gegenseitig (kurz) sehen“. Ein Interview im besten Sinn des Wortes kommt also nur zustande, wenn auch der/die Fragende bereit ist, etwas von sich zu geben. Dies geschieht idealerweise in Form von Neugier und Feingefühl, intensiver Vorbereitung und natürlich auch in Form der Plattform, der Öffentlichkeit, die man dem Interviewpartner mit der Veröffentlichung ja bietet.

Nice to be: The Person of Interest

Sie wollen Beispiele für die Win-Win-Situation des Interviews hören? Gerne! Da ist die Medizinerin, die im Interview die Möglichkeit sieht, Kompetenz zu demonstrieren und Menschen aufzuklären. Die talentierte Designerin, die aber noch keiner kennt. Oder der Chefdirigent, der sich einfach geschmeichelt fühlt. Alle erkennen sie die Anerkennung ihrer Person oder Arbeit, die in der Tatsache einer Interviewanfrage mitschwingt. Im Fachjargon gesprochen, sind die Interviewpartner Persons of Interest (wenn das Interview direkt ihrer Person gilt) oder aber Vermittler von Points of Interest (wenn ein Interview zur Sache oder zur Meinung geführt wird).

Die Frageform: Wer stemmt sie?

„Wer langweilig fragt, hat spannende Antworten nicht verdient“, sagt der Autor, Trainer und Coach Christian Thiele in seinem Buch „Interviews führen“, das 2009 im UVK-Verlag erschienen ist. Das stimmt, die Kunst besteht allerdings nicht allein darin, Interessantes zu erfragen, sondern auch darin, die Frage- und Antwortform nur an jenen Gesprächspartnern zu praktizieren, die auch präzise, verständlich und anekdotisch zu antworten vermögen. Das sind, genau betrachtet, wenige.

Fad = sinnlos!

Genau an dieser Stelle blinkt im Bereich des Corporate Publishings ein Freiraum auf, ein Unterschied im Vergleich zur journalistischen Arbeitsmethode. Content-Texter/innen helfen bei der Abbildung der Antworten ihrer Gesprächspartner/innen nämlich gerne nach. Höchst professionell natürlich. Sie formen Antworten präziser, wo die Prägnanz gefehlt hat. Und das, ohne die Inhalte zu verfälschen. Für Fresh Content gilt, dass ein Interview nur dann relevant ist, wenn es für den Leser (den User, die Zielgruppe) interessant (informativ oder unterhaltsam) ist. Fad ist gleich sinnlos! Das bedeutet auch, dass Antworten nicht in jedem Fall im O-Ton „aufs Papier“ gelangen, aber dafür interessanter!

Wir sind Dichter.

Man könnte auch sagen: Gestalten ist gestattet! Das soll heißen, dass das Formen, Verknappen und Verdichten sowie redigierende Eingriffe zugunsten von Verständlichkeit und Prägnanz zwar auch im Journalismus Usus, aber dort nur in einem sehr begrenzten Ausmaß statthaft sind. Beim Content-Marketing-Texten hingegen gehört das Dichten und Pointieren, das Schleifen und Frisieren ganz wesentlich zum Handwerk. Das Ergebnis dieser feinen Arbeit am Text sind Geschichten, die auch leuchten, Aussagen, die auch berühren. Inhalte, die andocken. Nicht das vom Interviewpartner Geäußerte wird geändert, aber manchmal seine Form. Storytelling nennt man das, und es kann mitten im schönsten Interview geschehen.

Die Freigabe: finales Zeichen von Respekt

Wie die gesamte Interview-“Zusammenkunft“, beruht dann auch der letzte Akt, die „Freigabe“ bzw. das Autorisieren der Inhalte durch den Gesprächspartner auf gegenseitigem Respekt. Dass ein Text (und insbesondere das Interview, das ja wortwörtliche Aussagen darstellt) sorgfältig gelesen und für gut befunden werden muss, bevor er in Druck oder online geht, ist eine Selbstverständlichkeit. Vor allem weil wir – und jetzt auch Sie – wissen, dass wir Dichter sind ;)

PS.: Zwei Tipps zur Sache

* Feinste Blogs über die Kunst des Fragens für alle, die sich in dieser Disziplin fortbilden (und unterhalten) wollen, findet man bei Christian Thiele auf www.interviewsfuehren.de

* Buchtipp: „Draußen scheint die Sonne“, Verlag Kiepenheuer & Witsch. Darin versammelt ist eine Auswahl der besten Interviews, die Alexander Gorkow mit bekannten Persönlichkeiten für die SZ Wochenende geführt hat. Wer auch nur eines von ihnen liest, bemerkt, dass sie anders sind als andere: intensiver, lustiger, inniger, überraschender, ergiebiger.

ROSWITHA JAUK

Foto: shotsstudio/Fotolia

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