Facebook ist hungrig nach gutem Content – Welche Gefahren birgt das Social-Medienhaus?

29. Oktober 2019
Facebook scheint auf Einkaufstour in den Redaktionen der Welt zu sein. Zweite Chance für Journalismus oder der Anfang vom Ende?

Laut dem Wall Street Journal und der britischen Tageszeitung The Guardian verhandelt Facebook derzeit mit traditionellen Medienhäusern über die Lizenzierung redaktionellen Materials für Facebooks Plattform. Der Schritt folgt andauernder Kritik zu Facebooks Rolle in der globalen Medienlandschaft.

Auf Einkaufstour in Redaktionen

Dem Wall Street Journal wurden Berichten zufolge bis zu drei Millionen US-Dollar pro Jahr für die Lizenzierung von Artikeln, Schlagzeilen und anderem Material angeboten. Laut Guardian ist Facebook auch an andere Medienhäuser herangetreten, darunter ABC News, Dow Jones, die Washington Post und Bloomberg.

Facebook gab dazu keine Stellungnahme ab, bestätigte jedoch, dass das Unternehmen daran arbeitet, einen „News-Tab“ für seinen Dienst zu starten. In diesem Tab dürften die lizenzierten Inhalte dann wahrscheinlich auch eingebettet werden.

Facebook – ein Medienkonzern?

Bei Facebook scheint kürzlich ein interner Wandel stattgefunden zu haben. Noch im April dieses Jahres wehrte sich Mark Zuckerberg bei einer Anhörung im Kongress der Vereinigten Staaten vehement gegen die Beschreibung von Facebook als Medienunternehmen. Es handle sich um ein reines Technologieunternehmen, so Zuckerberg, denn „the primary thing that we do is have engineers who write code and build products and services for other people.“ Es gehe also mehr um Coding als um Inhalte.

Jetzt dürfte sich das Unternehmen – langsam aber doch – seiner Rolle und seiner Verantwortung in der modernen Medienlandschaft bewusst werden. Erstmals soll ein Entlohnungsmodell verwendete Fremdinhalte vergüten. Außerdem scheint der neue Fokus auf qualitativ hochwertige journalistische Inhalte ein weiterer Versuch zu sein, Facebook ein Stück weit vom Image des Fake-News-Lieferanten zu lösen.

Ein zweischneidiges Schwert

Das Angebot klingt auf den ersten Blick verlockend: Endlich erhalten die traditionellen Medien wieder Traffic und Werbeeinnahmen beziehungsweise werden in Form einer Lizenz entschädigt. Gute Inhalte werden wieder gelesen, vielleicht hebt sich sogar das generelle Content-Niveau wieder von seinem derzeitigen unterirdischen Zustand.

Doch müssen sich Redakteure und Journalisten bewusst sein, bei wem sie sich hier „lieb Kind“ machen. Die Grundnatur der Plattform – alles, was Traffic und Engagement bringt zu pushen – hat sich als Brandbeschleuniger für allerlei Manipulation erwiesen. Im neuen News-Tab werden wohl ähnliche Bedingungen herrschen. Nachrichten müssen viral sein, oder sie gehen unter. Da entsteht natürlich die Versuchung, die Berichterstattung schrittweise an Facebooks Vorgaben anzupassen oder Beiträge zu Tode zu optimieren. Dass schon viel weniger Incentives zu gefälschter Berichterstattung führen, zeigt der Fall Claas Relotius.

Bis jetzt gibt es keine Informationen darüber, ob und welche Medienhäuser Facebooks Angebot angenommen haben. Es bleibt zu hoffen, dass eine rege Diskussion über die Chancen und Risiken einer Zusammenarbeit mit Facebook neue Strategien zur Qualitätssicherung von Online-Content zutage fördert. Jedenfalls wird guter Medienjournalismus in einer Welt, in der Facebook als Nachrichtenmacher agiert, mehr gefragt sein denn je.

 

Mehr Informationen

Wall Street Journal (Paywall)

The Guardian

 

 

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