Ästhetische e-magazines

01. September 2014
Der Grazer Info-Designer Karl Stocker über urbane Corporate Identity, e-magazines und die Arbeit mit jungen Menschen. Seine Studenten gewinnen beim Szenografie-Festival in Basel und einige haben sich auch schon den Red Dot Award geangelt.

 

Info-Design ist die Aufbereitung von Information mit gestalterischen Mitteln. Was Grazer bzw. steirische Unternehmen diesbezüglich betrifft – wo stehen wir da? In welchen Bereichen sehen Sie die besten Beispiele?

Karl Stocker: Ich denke, hier ist noch einige Aufklärungsarbeit zu leisten, um den Unternehmen zu vermitteln, dass Design keine oberflächliche Zugabe, ein bloßes Stylen von Produkten ist, sondern die Verknüpfung von Funktion und Gestaltung zu einer intelligenten Lösung, die konkreten Nutzen für die Menschen mit sich bringt. Mein Lieblingsbeispiel für den erfolgreichen Einsatz von Design sind die Aktivitäten von Florian Weitzer, der seinen Familienbetrieb auf eine Weise gebranded hat, dass es schon fast unheimlich ist. Und wie Weitzer nun auch die Wiener Hotellerie mit seinem Hotel Daniel belebt, ist ja wirklich großartig. Dieser Mix aus schlauen Funktionen und Goodies, adäquater urbaner Corporate Identity sowie die Integration von Kunst bis Street Culture ist ja wirklich international beispielgebend.

 

Welche Parameter muss ein e-magazine erfüllen, dass es Ihr Interesse erregt? Gibt’s da auch repräsentative Beispiele, die Sie empfehlen?

Stocker: Das Interessante an den e-magazines ist neben ihrer Interaktivität natürlich die innovative ästhetische Anmutung, die derartige Magazine, so sie gut gemacht sind, auszeichnet. Für mich interessanteste Beispiele sind international Sports Illustrated, das BMW Magazin für den iPAD und bei uns natürlich das Red Bulletin.

 

Sie lesen nach wie vor Bücher und Zeitungen als Printausgabe?

Stocker: Ja, natürlich. Aber mehr Bücher als Zeitungen. Die Inhalte der Boulevard-Zeitungen sind ja sehr flüchtig, die des sogenannten Qualitätsjournalismus oft zu langatmig und redundant. Da bevorzuge ich dann lieber das Buch oder elektronische Medien.

 

Sie sind Historiker, haben 2003 den „Berg der Erinnerungen“ konzipiert, worauf es ein extrem positives Echo gab, Sie lehren an der FH und sind extrem beliebt bei den Studenten …

Stocker: Ich finde es sehr erfüllend, mich beruflich mit den aktuellen Themen der Welt, in der wir leben, beschäftigen zu können. Als eine Person, die aus der Moderne, aus dem analogen Zeitalter kommt und die heute einen Studiengang leitet, der sich mit der Digitalisierung der Welt beschäftigt, finde ich es ungeheuer interessant, sich den neuen Anforderungen zu stellen. Ich bewege mich ganz gut in dieser neuen Welt, habe aber auch eine Basis in der Geschichte; daraus resultiert ein ganz eigener Zugang zu unserer heutigen Welt und ihren Problemen. Diesen Zugang, so hoffe ich, sehen und schätzen auch meine Studierenden an mir, denn nicht alles, was ich Ihnen vermittle, ist in Wikipedia nachzulesen. Darüber hinaus macht die Arbeit mit jungen Menschen aber auch einfach Spaß.

 

DANIELA GRUNDNER-GROSS

 

Dr. phil. Univ.-Doz. Karl Stocker, geb. 1956, ist Historiker, Kulturwissenschaftler und Ausstellungsregisseur und leitet den Studiengang „Informationsdesign“ an der FH Joanneum in Graz.

Foto: Susanne Hoffmann

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